Ein anderer Advent

Sehen wir die Chance darin: Advent wird vielleicht so, wie wir ihn uns scheinbar immer wünschen. Ruhig und besinnlich. Kein Stress von zu vielen Weihnachtsfeiern, selbst der Weihnachtseinkauf wird kleiner ausfallen als gewohnt. Statt der großen Feier also kleine Pausen im Alltag. Sternstündchen vielleicht. 

Lesen Sie in Ruhe eine Seite aus dem Anderen Advent, schreiben Sie eine Karte, telefonieren Sie ohne Anlass mit einem netten Menschen.

Oder machen Sie Mittwochs um 18:00 Uhr in der Pauluskirche Station. Dort erwartet Sie der Weg von der Wüste bis nach Bethlehem. Beginn: 2.12.'20

4. Station: Das Wort ward Fleisch

Johannes 1, 1-14

Eine wunderbare Krippenerzählung handelt von Walter, der schon 9 Jahre alt ist und immer noch in der zweiten Klasse. Er bekommt eine einfache Rolle im Krippenspiel, er soll den Wort spielen, der einfach sagen muss: Nein, hier ist kein Platz! Starr vor Aufregung steht er also da und sagt seinen Satz. Josef bittet eindringlich, und da vergisst Walter, dass er eine Rolle spielt. Er hat Mitleid mit den beiden, die da vor ihm stehen. Und anstatt ihnen die Tür vor der Nase zuzuschlagen, wie er sollte, sagt er : "Bleibt. Ihr könnt mein Zimmer haben!"

Einige, so wird erzählt, seien empört gewesen, und hätten gesagt, Walter habe das ganze Krippenspiel verdorben. Andere dagegen hielten das für das weihnachtlichste aller Krippenspiele, die sie je gesehen hatten.

Jedes Jahr bekommen wir diese Frage gestellt, ob wir Christus heute in unser Haus lassen, ob wir ihn in den Menschen erkennen, die unsere Nächsten sind.

Das ist die Frage: Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn ich dir?

Zum Lied

3. Station: Der Weg in der Wüste

Jesaja 40

 

Wenn wir von Macht und Herrschaft hören, dann denken wir groß. Da denken wir Kraft, Stärke und Durchsetzungsvermögen. Da sehen wir Menschen in Führungspositionen, Menschen, die den Durchblick haben, die mehr wissen als wir.

Da weichen wir vielleicht innerlich zurück, wollen nicht im Weg stehen.

Gottes Weg ist ein anderer.  Er gibt Macht auf. Im Philipperhymnus heißt es: Er hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich… Er ist der gerechte und helfende König, ohne Rüstung zieht er auf einem Eselfüllen in die Stadt. Gott kommt als Kind. Mit der Macht der Liebe und des Vertrauens.

Wir sind gerufen, diesen Weg zu gehen, mit leeren Händen, dafür steht die Wüste, die karg und leer ist. Nur wir selbst sind genug, ihm den Weg zu bereiten. Wir können das Vertrauen der Menschen gewinnen, wenn wir sie Freundlichkeit erfahren lassen und Hilfsbereitschaft. Es gibt viele Aktionen zur Weihnachtszeit, die das zum Ausdruck bringen. Oft wissen sie nicht mehr von der Botschaft Gottes, oder vom Glauben an Jesus Christus. Aber sie wissen noch von der Wichtigkeit, einander zu helfen und füreinander da zu sein. Sie haben eine Spur dieses Weges gesehen.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt, si diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.

Zum Lied

 

 

2. Station: Licht

EG 540 Stern über Bethlehem…
Jesaja 9
Es ist ein schönes Bild. Das Licht im Dunkel, das mich an Sterne denken lässt. Das Kind, das geboren wird, Wunder des Lebens.
Aber mittendrin diese Bilder, die das alles unwirklich erscheinen lassen. Das drückende Joch, Stiefel, die auf Pflaster knallen, Mäntel, die mit Blut befleckt sind, Feuer, das alles verbrennt.

Wie sehr ist das noch Realität in der Welt, es ist noch nicht vorbei, die Gewalt, der Krieg, der Hunger, die Verzweiflung. Es ist noch dunkel.
Aber Jesaja will uns vom Licht erzählen, vom Ende des Dunkels. Sobald wir das Licht sehen ist es nur noch eine Randerscheinung. Es ist immer noch da, es wird wohl auch bleiben. Aber uns ist der Blick auf das Licht geschenkt.
Advent ist das große Aber, Dennoch und Trotzdem gegen alle Dunkelheiten in dieser Welt und in unserem Leben. Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein: Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.


•    EG 16 Die Nacht ist vorgedrungen


Mein Gott, dein hohes Fest des Lichtes
hat stets die Leidenden gemeint.
Und wer die Schrecken des Gerichtes
nicht als der Schuldigste beweint,
dem blieb dein Stern noch tiefverhüllt
und deine Weihnacht unerfüllt.
Die ersten Zeugen, die du suchtest,
erschienen aller Hoffnung bar.
Voll Angst, als ob du ihnen fluchtest,
und elend war die Hirtenschar.
Den Ärmsten auf verlassenem Feld
gabst du die Botschaft an die Welt.
Die Feier ward zu bunt und heiter,
mit der die Welt dein Fest begeht.
Mach uns doch für die Nacht bereiter,
in der dein Stern am Himmel steht.
Und über deiner Krippe schon
zeig uns dein Kreuz, du Menschensohn.
Herr, dass wir dich so nennen können,
präg unseren Herzen heißer ein.
Wenn unsere Feste jäh zerrönnen,
muss jeder Tag noch Christtag sein.
Wir preisen dich in Schmerz, Schuld, Not
und loben dich bei Wein und Brot.
Jochen Klepper
•    20 Das Volk das noch im Finstern wandelt

1. Station Maria

Maria - Ein Engel wurde zu ihr gesandt, Botschaft von Gott. Begnadet bist du, sagte er.

Begnadet fragt sie? Wie kann das sein, wenn alles, was ich habe auf dem Spiel steht?
Verlobt ist sie, das ist ihre Lebensversicherung. Maria kann kein Kind mit in diese Ehe bringen.

Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.      Lukas 1, 30-33

Maria setzt Gott über die Menschen. Sie traut den Verheißungen und wirft sich auf das, was sie glaubt.
Ihr Vertrauen wird auf noch härtere Probe gestellt werden. An dem Tag, da sie diesen Sohn tot in ihren Armen hält. Denn erst danach erfüllt Gott sein Wort. Da beginnt das Friedensreich, mit der Auferstehung Jesu.

Wenn wir einstimmen in den Lobgesang der Maria.