15. Sonntag nach Trinitatis - Irdische Güter

Sonne geht auf

 

Diese zweite Schöfpungsgeschichte der Bibel ging nicht gut aus. Wir wissen es. Dass da mitten im Garten ein Baum steht von dem man nicht essen soll, das kann nicht gut gehen. Das ist, als würde man das ganze Jahr die Weihnachtsgeschenke im Wohnzimmer liegen haben und dürfte sie nicht aufmachen.
Menschen sind neugierig, und wenn man ihnen den kleinen Finger reicht, dann  wollen sie gerne die ganze Hand.
Und wir wollen auch nicht gerne gesagt bekommen, was wir tun sollen. Viel lieber nehmen wir den Kampf mit dem Leben selber auf, und wollen dafür verantwortlich sein.
Gott hat uns ja diesen Auftrag gegeben: Wir sollten diesen Garten bebauen und bewahren.
Aber was ist daraus geworden?

Unsere Augen sind immer noch größer als unsere Bäuche. Es ist nie genug. Wir sind nicht gut genug, wir haben nie genug um ganz sicher zu sein. Jesus erzählt einmal die Geschichte vom reichen Kornbauern. Er war reich, er hatte so viel Ernte, dass er sich Scheunen baute und Vorräte anlegte, von denen er lange Jahre zehren wollte.

Als Narr wird er bezeichnet, denn er hat sich nur um das gekümmert was er haben konnte, nicht um das, was er sein sollte.

Dieser Kornbauer ist ein Gleichnis für uns Menschen. Wir streben danach, abgesichert zu sein. Dinge zu haben, über die wir verfügen können. So wie wir über die Erde verfügt haben, die nun darunter leidet, dass wir das Meiste aus ihr herausgeholt haben. Dass wir das Beste aus unserem Leben gemacht haben, ohne zu bedenken, was es kosten könnte.

Unser Erbe sollte nicht sein, was wir aus der Erde gemacht haben, sondern dass unsere Kinder wissen: Die Welt ist ein Garten, den Gott für uns angelegt hat. Möge er uns die Geduld und Gelassenheit geben, dass wir unsere Aufgabe erfüllen, die wir haben. Dass wir dann zusehen wie Gott es wachsen lässt. Nicht wir selbst.

 

14. Sonntag nach Trinitatis - Zachäus

Durchblick zum Himmel aus einem Gebäude in Potsdam

Die Geschichte von Zachäus ist oft erzählt worden.

Als Geschichte eines Ausgestoßenen, der sich sein Ansehen in der jüdischen Gesellschaft verspielt hat, indem er Zöllner wurde, Handlanger der Römer, Oberzöllner gar.

Als Geschichte eines schlauen, kleinen Mannes, der sich zu helfen weiß, und auf einen Baum steigt, weil die Menge ihn nicht durchlässt.

Als die Geschichte eines Menschen, der nach dem Sinn seines Lebens sucht. Einer, der Jesus sehen will.

Man kann viel über Zachäus erzählen.

Wichtig aber ist der Satz, den Jesus zu ihm sagt: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.

Gott ist der, der uns sucht.

Er will bei uns einkehren.

Was wir daraus machen ist eine andere Frage. Aber alles beginnt damit, dass wir ihn zu uns hereinlassen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen offenen Sonntag.

Ihre Pfarrerin Heidrun Stocker

 

7. Sonntag nach Trinitatis - Über das Ankommen

Pflanze in zerbrochenem Tontopf

Fremd ist man, wenn man den Menschen sich und sein Leben erklären muss.

Fremde wissen nicht, wie es hier immer schon gewesen ist.

Und niemand hier weiß, was bisher selbstverständlich war.

Angekommen ist, wer in der Gegenwart eine Heimat für seine Vergangenheit gefunden hat.

Eine Tür zum letzten Mal schließen,

die Schlüssel aus der Hand geben und wissen:

Ich kehre nicht mehr zurück.

Das macht wehmütig.

Einen Weg zum letzten Mal gehen,

die ausgetretenen Pfade des Lebens durch unbekannte Straßen ersetzen:

Da muss man manchmal tief durchatmen.

Doch dann sind da die neuen Schlüssel und sie öffnen andere Türen.

Und dann sind da neue Wege, und warten darauf, meine Spuren in sich zu tragen.

Angekommen ist, wer mit einem Lächeln und dankbar erzählen kann, wie es gewesen ist.

Erst verschwimmen Vergangenheit und Zukunft, Wehmut und Hoffnung in einem Nebel miteinander.

Dann lösen sie sich voneinander,

und geben dem Augenblick Raum.

Ankommen ist die glückliche Lage, jetzt leben zu können.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Eph 2, 19

5. Sonntag nach Trinitatis

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2,8

Ein junger Storch, der das Nest verlässt. Der erste Flug ging nur bis zum andern Rand des Nestes, den sicheren Boden hat er nicht verlassen. Zum Fliegen gehört noch mehr - den Mut, sich auf die Flügel zu verlassen, den unsichtbaren Wind, die ererbte, nicht erlernte Fähigkeit zu Fliegen.

Glaube erfordert auch diesen Mut. Sich auf Flügel verlassen, die man nicht vorher ausprobieren kann. Erst im Flug zeigt sich, ob sie wirklich tragen. So zeigt sich auch im Glauben erst, wenn wir die Sicherheit des Verstandes loslassen die Wirklichkeit dessen, an den wir glauben. Auch den Glauben kann man nicht ausprobieren. Wir müssen den Grund verlassen, den wir seither als sicher erachtet haben, uns auf einen ganz anderen einlassen. Das ist Jesus Christus, schreibt Paulus. Er hat versprochen da zu sein, wo wir ihn brauchen.

Petrus hat es gewagt - und gewonnen! Lukas 5, 1-11

Zum Fest der Dreieinigkeit Gottes

Symbol der Trinität Dreieck und Kreis

In der Bibel begegnen uns ganz unterschiedliche Bilder Gottes:

Psalm 19: Aus dem Staunen über die Schöpfung folgt das Lob Gottes.

Johannes: Gott kommt in die Welt; er wird aufgenommen oder abgelehnt.

Apostelgeschichte: Der Geist Gottes bringt Menschen zueinander, hilft beim Verstehen.

Es ist der Eine Gott, aber für uns Menschen ist die Erfahrung oder die Herausforderung jedes Mal eine Andere. Im Judentum ist es Tradition, dass der Name Gottes nicht ausgesprochen wird. Gott wäre fassbar, würde er beim Namen genannt. Wir kennen eine Ahnung davon, wenn wir über manche Dinge nicht reden, weil sie dann näher kommen, wirklicher werden. Der Tod, zum Beispiel, oder schlimmer Erfahrungen, die wir gemacht haben. Etwas, worauf wir sehr hoffen, aber fürchten, es könnte nicht eintreffen. So ähnlich ist das mit dem Namen Gottes. Darum ist der Name Gottes im Alten Testament Absicht so geschrieben, dass man ihn nicht richtig lesen kann. Im Islam kennt man 99 Namen Gottes, aber der 100ste ist der, den nur Gott selbst kennt.

Aus dieser Tradition kommen wir also und nennen Gott beim Namen: Vater, Sohn und Heiliger Geist, sagen wir.Es sind keine drei verschiedenen Götter, die wir haben.  Auch nicht einfach nur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Auf wunderbare Weise verkörpert Gott seinen wahren Namen in der Trinität: Er ist der, der er ist, der, den wir brauchen: Vater, Sohn und Bruder, Geist. Er ist Gott, der uns begegnet, und zwar im Segen, der uns zugesprochen wird. Da sehen wir ihn von Angesicht zu Angesicht.

Zum Pfingstfest 31. Mai 2020

Anfänge sind oft unscheinbar. Nicht jedes Wunder beginnt mit einem großen Paukenschlag. Die Saat, die gesät wird verschwindet in der Erde. Vorsichtig ragen die ersten Keimblättchen daraus hervor. Leicht werden sie zertrampelt oder herausgerissen.

Erst der große Baum fordert die Aufmerksamkeit der Menschen. Das Mächtige beeindruckt.

Die Kirche hat nicht als die weltweite Organisation mit Millionen Mitgliedern begonnen, mit Kirchen in jedem Ort, einer Diakonie und Mission.

Es waren nur 12 Leute, die damals auf die Straße gingen, getrieben von der Begeisterung Gottes, die sie furchtlos gemacht hatte. Es dauerte auch nicht lang, dieser erste Auftritt, sie ernteten Stirnrunzeln und Lachen. Aber aus diesem Anfang ist die Kirche geworden, die die Welt geprägt hat.

Heute wird uns vorgeworfen, im falschen Moment zu schweigen. Das tun wir nicht, aber die Welt ist nicht immer so beeindruckt von den Anfängen und Neuanfängen, die wir machen. Denn das sind wir immer noch: Eine Kirche des Anfangs.

Gott sagt: Verachtet nicht die Anfänge. Mein Reich kommt nicht mit Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist. 

Frohe Pfingsten!

Zum Sonntag Exaudi - Höre meine Stimme, wenn ich rufe 24. Mai 2020

Himmelfahrt - 40 Tage nach Ostern, 40 Tage für die Jüngerinnen und Jünger, sich neu zu orientieren. Sie waren voller Furcht, denn das leere Grab, der Galube an die Auferstehung Jesu konnte sich nicht sofort in Freude umwandeln. Zuerst mussten sie verkraften, nicht mehr zur Gemeinschaft zu gehören. Der Alte Bund galt nicht mehr. Sie sollten die Repräsentanten des Neuen Bundes sein, der sich nicht mehr sichtbar zeigt. Nur im Bekenntnis der Jüngerinnen und Jünger Jesu.

So hat sich die Verheißung des Propheten Jeremia erfüllt: Gott hat einen neuen Bund geschlossen. Jeder kann jetzt zu Gott kommen, jeder kann mit ihm sprechen. Auch wer geradewegs aus einem Schweinestall komme, wie der verlorene Sohn. Auch wer sich vor den Augen der Leute versteckt, wie Zachäus. Auch wen die Leute für zu klein oder unfähig halten, wie die Kinder, die man nicht zu Jesus lassen wollte.

Er sagt: So beginnt mein Reich. Es zählt nicht, wer ihr seid, sondern wer ich bin. Und ich bin der, der euch sucht, nach euch fragt, der euch hört.