Zum Pfingstfest 31. Mai 2020

Anfänge sind oft unscheinbar. Nicht jedes Wunder beginnt mit einem großen Paukenschlag. Die Saat, die gesät wird verschwindet in der Erde. Vorsichtig ragen die ersten Keimblättchen daraus hervor. Leicht werden sie zertrampelt oder herausgerissen.

Erst der große Baum fordert die Aufmerksamkeit der Menschen. Das Mächtige beeindruckt.

Die Kirche hat nicht als die weltweite Organisation mit Millionen Mitgliedern begonnen, mit Kirchen in jedem Ort, einer Diakonie und Mission.

Es waren nur 12 Leute, die damals auf die Straße gingen, getrieben von der Begeisterung Gottes, die sie furchtlos gemacht hatte. Es dauerte auch nicht lang, dieser erste Auftritt, sie ernteten Stirnrunzeln und Lachen. Aber aus diesem Anfang ist die Kirche geworden, die die Welt geprägt hat.

Heute wird uns vorgeworfen, im falschen Moment zu schweigen. Das tun wir nicht, aber die Welt ist nicht immer so beeindruckt von den Anfängen und Neuanfängen, die wir machen. Denn das sind wir immer noch: Eine Kirche des Anfangs.

Gott sagt: Verachtet nicht die Anfänge. Mein Reich kommt nicht mit Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist. 

Frohe Pfingsten!

Zum Sonntag Exaudi - Höre meine Stimme, wenn ich rufe 24. Mai 2020

Himmelfahrt - 40 Tage nach Ostern, 40 Tage für die Jüngerinnen und Jünger, sich neu zu orientieren. Sie waren voller Furcht, denn das leere Grab, der Galube an die Auferstehung Jesu konnte sich nicht sofort in Freude umwandeln. Zuerst mussten sie verkraften, nicht mehr zur Gemeinschaft zu gehören. Der Alte Bund galt nicht mehr. Sie sollten die Repräsentanten des Neuen Bundes sein, der sich nicht mehr sichtbar zeigt. Nur im Bekenntnis der Jüngerinnen und Jünger Jesu.

So hat sich die Verheißung des Propheten Jeremia erfüllt: Gott hat einen neuen Bund geschlossen. Jeder kann jetzt zu Gott kommen, jeder kann mit ihm sprechen. Auch wer geradewegs aus einem Schweinestall komme, wie der verlorene Sohn. Auch wer sich vor den Augen der Leute versteckt, wie Zachäus. Auch wen die Leute für zu klein oder unfähig halten, wie die Kinder, die man nicht zu Jesus lassen wollte.

Er sagt: So beginnt mein Reich. Es zählt nicht, wer ihr seid, sondern wer ich bin. Und ich bin der, der euch sucht, nach euch fragt, der euch hört.

Zum Sonntag Rogate: Betet! 17. Mai 2020

Gelobt sei Gott, der mein GEbet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. Psalm 66, 20

Im Evangelium dieses Sonntags geht es um das Gebet. Das Gebet: Vater unser... Es verbindet die Konfessionen und es hat sogar die Größe, Religionen zu verbinden. Dabei sind es gar nicht viele Worte, und gerade darum geht es Jesus auch. Nicht plappern wie die Heiden, keine Show machen wie die Pharisäer. Sprecht einfach mit Gott, sagt ihm, was ihr braucht, auch wenn er es längst weiß.

Das Gebet ist schließlich kein Informationsuastausch. Es ist Begegnung, Gespräch, wie jede Beziehung zwischen Menschen sie auch nötig hat. Wer davon ausgeht, alles sei selbstverständlich, irrt. WEr davon ausgeht, der liebe Gott vergebe sowieso, er muss das ja, irrt auch, und zwar dramatisch.

Wofür sollen wir beten? Dass Gottes Reich für uns offen sei. Dass wir haben, was wir an Leib und Seele brauchen: Brot, täglich, weil jeder Tag alles ändern kann. Vergebung, gegenseitig, weil sie keine Einbahnstraße ist.

Das Brot vergessen wir nicht so leicht. Wir hören gut auf den knurrenden Magen. Die Vergebung hat es nicht so leicht, denn die Seele ist nicht immer laut genug, um uns daran zu erinnern.

Dass wir also das nicht vergessen, darum sollen wir beten. Denn im Gebet betreten wir einen Raum, der nur uns gehört, in dem wir nichts leisten, nichts können und nichts zeigen müssen. Wir begegnen Gott in diesem Raum. Das GEbet sei unser eigener, geheimer Garten. Mit Blumen, Vöglen, einem Baum und einer Quelle. Ein Ort, an dem wir den heiligen Geist spüren. Ein Ort, den wir immer finden können, wo immer wir sind, denn er ist in uns.

Dafür wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag.

 

Ewig währt deine Herrlichkeit,

Dein ist die Kraft

Dein ist das Reich.

Erlöse uns von dem Bösen

Indem du uns nicht in Versuchung führst.

Hilf uns, unsern Schuldigern vergeben

Weil du uns Schuld vergibst.

Gib uns das tägliche Brot

Im Himmel und auf Erden

Geschehe dein Wille.

So komme dein Reich

So werde dein Name geheiligt,

denn du bist unser Vater.

 

 

 

Zum Sonntag Kantate: Singet dem Herrn ein Neues Lied! 10. Mai 2020

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98

Manchmal sind Wunder groß und laut: Jubelnde Freude passt zu ihnen.

Manchmal sind Wunder klein und leise: Staunendes Schweigen gehört ihnen.

Manchmal sind Wunder unsichtbar: Man muss die Hand ausstrecken und sich finden lassen.  

 

Der Predigttext aus der Chronik des Alten Testaments erzählt die Einweihung des Tempels. Wie Salomo dieses Haus in Betrieb nimmt, diese goldene Hülle für Gottes Gegenwart. Silberne und goldene Geräte, ein ganzer Schatz wird im Tempel aufbewahrt. Opfer werden gebracht, der ganze Stamm Levo singt und spielt zum Lob Gottes.

Das war sicher wunderbar. Das wirkliche Wunder aber ist ein Anderes: Sie singen und spielen, als wäre es Einer. Eine Stimme, ein Instrument. Und dann zieht Gottes Geist in den Tempel eine. Der Dienst der Priester ist nicht mehr möglich. Sie werden nicht mehr gebraucht, denn Gott selbst ist da.

Das ist Gottesdienst: Wo er sich sichtbar macht. Wo wir spüren: Unsere Gemeinschaft ist mehr als die Ansammlung verschiedener Menschen. Wir sind eins durch ihn, der mitten unter uns ist.

Zum Sonntag Jubilate- Jauchzet dem Herrn alle Welt! 3. Mai 2020

Knospen eines Weinstocks

Johannes 15, 1-8

Es ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Worte aus dem Johannesevangelium. Ein tröstliches Wort der Zugehörigkeit. Ein herausforderndes Wort, in dem es darum geht, Frucht zu bringen.

Was können wir tun? Diese zutiefst menschliche Frage stellen wir auf dieses Wort hin. Was sollen wir tun, für Gottes Reich? Tun wir genug? Ist es ausreichend?

Schnell stehen wir in unseren Gedanken mit unseren Gaben und Fähigkeiten im Vordergrund. Wir überlegen, wo wir uns verbessern können, was wir anders hätten machen sollen, wo andere besser sind als wir.

Dabei geht es nicht um dieses, unser Tun. Freilich sollen wir unsere Gaben nicht verbergen und nutzlos liegen lassen. Aber das Wichtige, was an erster Stelle stehen muss, ist unsere Verbindung zu Gott. Wenn wir sie nicht haben, beginnen wir allein zu wirtschaften und früher oder später von sichtbaren Erfolgen abhängig zu werden, uns zu vergleichen und Konkurrenten zu werden. Aber Frucht bringen heißt: Bei Jesus bleiben.

Es heißt, die Verbindung aufrecht zu erhalten. Die vergangenen Wochen waren eine Gelegenheit, das zu lernen und zu erfahren: Die Verbindung zu Gott reißt so leicht nicht ab. Denn er ist es, der sie aufrechterhält. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus.

Ohne Gott bin ich ein Fisch am Strand,

ohne Gott ein Tropfen in der Glut.

Ohne Gott bin ich ein Gras im Sand

und ein Vogel, dessen Schwinge ruht.

Wenn mich Gott bei meinem Namen ruft,

bin ich Wasser, Feuer, Erde, Luft. Jochen Klepper

Zum 2. Sonntag nach Ostern - 26. April 2020

Sonne geht auf

1. Petrusbrief 2, 21-25

Psalm 23 ist das Hintergrundbild dieses Sonntags. Er heißt Miserikordias Domini, von der Barmherzigkeit Gottes. Er erzählt von Gott als dem, der Gutes für unser Leben will. Der uns Gutes zukommen lässt und Heimat bietet.

Da denkt man leicht, dass Gott einen vor allem bewahrt. Aber wer den Psalm kennt, weiß, dass das gar nicht so ist. Mittendrin ist vom finsteren Tal die Rede. Hebräisch steht da: Das Tal der Todesschatten. Ganz klar kennt der Beter des Psalms die dunklen Wege, die einsamen und verlassenen Zeiten, in denen er allein ist. Eine Einsamkeit bis zum Tod kennt er. Und da durch geht Gott mit uns. Er bewahrt uns durch alle diese Zeiten hindurch, nicht nur, wenn alles gut ist.

Nichts kann uns trennen von ihm, nicht einmal der Tod. Darin ist Jesus Vorbild. Sein Weg ging nicht am Kreuz vorbei, sondern hindurch. Und er war nicht verlassen. So werden auch wir nicht verlassen sein. Wir gehören zu Gottes Haus.

Ich bin gewiss, schreibt Paulus im Römerbrief, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbar wird.

Und ich bin gewiss, das mich nichts von seiner Liebe trennen kann. Keine Gefahr dieser Welt, nicht Engel, nicht Mächte, nicht Gewalten, nichts Hohes, nichts Tiefes, nicht einmal der Tod.

Niemand und nichts

kann uns trennen von dir,

deine Liebe ist stark wie der Tod.

Wenn du für uns bist,

wer kann gegen uns sein,

denn auf ewig bist du

unser Gott.

(Lothar Kosse)

Zum 1. Sonntag nach Ostern 19. April 2020

Jesaja 40, 26-31

Wie wertvoll sind die Momente, in denen wir tatsächlich innehalten und das Staunen zulassen. Staunen über die Größe und Großartigkeit der Welt.

Die Aufgabe ist, diese Momente in Verbindung zu bringen mit dem Leiden der Welt an uns. Das ist anstrengend, und es kann ermüdend sein. Aber die Kraft, weiter zu machen ist da.

Gott schenkt freigebig und unermüdlich.

Über meinem Schreibtisch hängt seit meiner Ordination dieser Vers aus Jesaja an der Wand: Die dem Herrn vertrauen schöpfen neue Kraft.

Ich brauche das oft, und ich denke wir alle brauchen das: Sich erfüllen lassen von einer Kraft, einer Hoffnung, einer Zuversicht, die nicht die eigene ist. 

 

 

Staunen über die Größe Gottes, das bedeutet doch auch,

die eigene Schwäche annehmen.

Wie kann das Eine ohne das Andere gelingen?

 

Gott um seinen Segen für mein Leben bitten, heißt das nicht auch,

den Stolz über die eigene Leistung loslassen?

Wie kann ich mit vollen Händen um etwas bitten?

 

Stark sein im Glauben und im Handeln für Gottes Reich, das kann niemand aus sich selbst.

Diese Kraft ist geschenkt, sie kann nicht verdient werden.

 

Gott, schenk uns die Einsicht und die Gelassenheit, dir zu vertrauen,

mit aller Kraft, die du uns geben willst,

und tun, was wir zu tun imstande sind,

damit wir deine Schöpfung bewahren,

dein Reich verkündigen und in, mit und durch deine Liebe leben. AMEN

 

 

 

Zum Palmsonntag 5. April 2020

Palmsonntag* ist ein Tag der Anfänge. Er hat seinen Namen nach Matthäus 21: Jerusalem bereitet Jesus mit Palmzweigen einen triumphalen Einzug. Jesus reitet auf einem Esel. Er zeigt damit, dass er ein König ist, der Gesalbte Gottes, der Messias. Es ist ein Königtum des Friedens, dem eine gewaltsame Durchsetzung von Machtansprüchen fremd ist. Sein Reich entspricht nicht allen Erwartungen. Viele waren enttäuscht und wandten sich ab. Viele sind heute noch enttäuscht von dieser Machtlosigkeit Gottes.

Von einer Enttäuschung erzählt auch die Geschichte von der Salbung in Betanien (Markus 14, 3-9). Jesus lässt sich von einer Frau die Füße salben. Sie sagen: Welche Verschwendung! Predigt er nicht, dass man für die Armen da sein soll? Jesus sagt: Sie hat getan, was sie konnte. Er lässt die liebevolle Zuwendung dieser Frau zu, die Verehrung, die sie für ihn hat. Er stellt das gute Werk nicht über ihre Liebe. Natürlich begründet er hier nicht einen Personenkult. Er betont aber wieder einmal, dass jeder Mensch seine eigenen Gaben für das Reich Gottes hat. Wir meinen so oft, zu wissen, was wichtig und was richtig ist.

Diese Frau hilft uns beim nachdenken darüber: Was brauchen wir wirklich zum Leben?

Seien Sie gesegnet, seien Sie gestärkt und seien Sie fröhlich!

*In der Tradition der katholischen Kirche werden an diesem Tag die Palmbündel gesegnet, die das Kreuz in den Häusern schmücken. Am Aschermittwoch werden sie verbrannt und mit ihrer Asche ein Kreuz gezeichnet. Mit der Karwoche schließt sich der Kreis. Mit dem Tod Jesu beginnt das Leben neu - in seiner Auferstehung an Ostern.

Zum Sonntag Judika 29. März 2020

Schaffe mir Recht, Gott!

So also erhört Gott unser Gebet aus Psalm 43. Er schafft uns Recht - auf eigene Kosten. Jesus ist es, der den bitteren Kelch austrinken muss. Er wird sterben, er wird allein gelassen sein, niemand wird ihm beistehen außer einem Verbrecher und einem römischen Hauptmann. Seine Freunde stehen entfernt und schauen zu.

Hätten sie eine Wahl gehabt? Oder sind ihnen, ebenso wie Jesus, die Hände gebunden. Es scheint doch, die Welt wird von Machthabern regiert. Kriegstreibern, Flucht, Krankheit, Hunger und Angst. Damals wie heute gibt es Vieles, gegen das wir nichts machen können. Und vielleicht schwerer zu ertragen noch: Es gibt auch vieles, für das wir nichts machen können. Manchmal gibt es nur den schwierigen Weg.

Manchmal haben wir keine Wahl. Manchmal aber doch. Manchmal können wir mitgehen, so wie es der Predigttext sagt: Zu Jesus hinaus vor das Lager. Heraus, aus unseren Gewohnheiten, aus unseren Bequemlichkeiten. Jetzt ist eine gute Zeit, das zu üben, wo unsere Kirche für uns verschlossen ist.

Aber unser Herz und unsere Gedanken sind nicht geschlossen. Vieles ist zur Zeit abgesagt, weil wir zu Hause bleiben sollen. Aber die Hoffnung und das Beten sind nicht abgesagt. Dies soll nicht unsere Zeit sein, in der wir nur warten, bis es weitergeht. Sonst schlafen wir wie die Jünger im Garten Getsemane. Jesus hat sie gebeten mit ihm zu wachen und zu beten. Das bittet er auch uns. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Zum Sonntag Lätare 22. März 2020

Freut euch mit Jerusalem, und seid fröhlich über die Stadt…

So sagt der Wochenspruch und Predigttext für den kommenden Sonntag.

Trost in schweren Zeiten - wann sonst sucht man Trost! Trost brauchen wir, wenn wir aus dem Alltag geworfen sind. Der Mensch in Trauer um einen Verstorbenen genau so wie das Kind, das sich die Knie blutig geschlagen hat.

Da braucht man Worte für Zuversicht, Gelassenheit und Mut. Aufmunternde und anspornende Worte. Schöne Worte, die zu Herzen gehen und die Seele aufatmen lassen.

Aber reicht das aus? Ist das Trost, oder nur tröstlich? Ich meine, Trost ist mehr als Worte, da braucht es den ganzen Menschen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; … ihr werdet es sehen und euer Herz wird sich freuen. So lässt Gott es durch den Propheten Jesaja sagen. Er nimmt uns buchstäblich in den Arm. Wir dürfen aufatmen, sagt Gott.

Gerade jetzt brauchen wir das. Wir sind alle aus unserem Alltag geworfen. Unser Umgang miteinander, unser Zusammenleben ist in Frage gestellt. Wir müssen auf Abstand gehen, auch wenn es nur auf Zeit ist.

Lassen wir uns dadurch nicht auch innerlich auf Abstand gehen. Lassen wir uns trösten und legen unsere Sorgen Gott ans Herz. Atmen wir auf, wie in den Armen einer Mutter und lassen unser Aufatmen zu einem Gebet werden für alle, die Trost und Hilfe brauchen.

Dann werden wir ein kleines Osterfest feiern, mitten in der Passionszeit. Die Natur hat sich schon geschmückt. Die Blumen blühen um die Wette und strahlen im Licht der Sonne.

Gott lenkt unseren Blick nach vorne, nach außen. Er lenkt unsere Gedanken zu den Menschen, die unter den vielfältigen Nöten dieser Welt zu leiden haben.  Auch zu denen, die jetzt für alle da sind, und unseren Alltag aufrecht erhalten. Gott sei Dank.